Freitag, 11. Januar 2013

Wirre Gedankenflut

Tage die zäh wie Kaugummi vorbeiziehen und nichts als den schalen Geschmack von Leere und Bedeutungslosigkeit hinterlassen. Streit, der wohl nur noch um des Streitens Willen ausgetragen wird, denn alles dreht sich immer nur im Kreis. Einsicht ist ein Fremdwort, genauso wie Verständnis und Zuneigung. Zwischen mir und meinem Eltern steht seit ich ein ein kleines Kind bin eine Mauer und mittlerweile ist daraus ein ganzer Berg geworden, der auch das letzte Sonnenlicht verdunkelt. Hier kann die Sonne nie wieder scheinen. Ich bin nur ein Mädchen, ohne Sinn und ohne Ziel, ohne ein richtiges Leben, ohne Zukunft. Ich treibe im Meer und meine eigenen finsteren Gedanken zerren mich immer weiter in die Tiefe hinab. Ich möchte schreien, möchte tief Luft holen, doch ersticke an meinen eigenen Worten.
Ich lasse mich von den Stunden durch den Tag tragen, beobachte emotionslos und schlaflos den Wechsel von Tag und Nacht, und selbst die letzten Atemwolken verschwimmen in Bedeutungslosigkeit. Ich schaue aus dem Fenster, und was ich sehe sieht mich nicht. Was ich sehen will sehe ich jedoch nicht, denn es ist viel zu weit weg, viel zu fern, ist nicht bei mir denn ich bin hier. Ich will meine Hand ausstrecken, will rufen, will hoffen dass jemand meine eiskalte Hand ergreift und mich aus meiner Finsternis zerrt. Doch ich ersticke an meinen eigenen Tränen, die ich nicht mehr weinen kann.
Ich existiere solange ich atme und mein Herz schlägt. Doch oft frage ich mich: Wie lange noch? Denn ich weis es nicht. Es fühlt sich an, als würde mir die Zeit davonlaufen. Die Zeit, von der ich doch eigentlich mehr als genug habe, mehr als mir lieb ist. Welch lächerliche Ironie. Ein Körper, der nicht mehr so kann, wie ich es will. Ein Herz das schmerzhaft schlägt. Als müsste es für jemand anderen mitschlagen. Manchmal ist Atmen so schwer. Und noch viel schwerer ist es morgens zu erwachen. Ich fühle mich gefangen in einer Welt die es nicht gibt. Irgendwo zwischen Wachen und Schlafen. Ein Körper der sich nicht bewegen kann. Gedanken, die sich nicht verselbstständigen können. Eine Welt, die mich in ihre Richtung zerrt, und eine andere die mich in die Tiefe zerrt. Mein Kopf ist so leer und zugleich viel zu voll. Gedanken die beim sich ständigen wiederdenken weh tun. Ein Kopf der viel zu klein ist um Platz für all die Gedankenwelten zu bieten. Der Wunsch nach Stille, und die gleichzeitige Angst davor. Denken das manchmal so schwer fällt. Eine Welt die verschwimmt, die sich immer mehr selbst verzerrt. Ein kurzer Weg, ein paar Meter nur, der mir plötzlich so unwahrscheinlich weit und unmöglich zu erreichen scheint. Ein Verstand der schreit, dass er nicht wahnsinnig werden will. Und ein Kopf, der so schwer ist und so weh tut und einfach nicht mehr denken will. Blut das durch meine Adern und meine Ohren rauscht. Sterne obwohl es noch lange nicht Nacht ist.  
Quälend langsam kriechen die Zeiger der Uhr vorwärts. Zeit sickert durch Sanduhren. Wiederholt sich immer wieder. Wiederholt sich sofort. Zahlen am Kalender, die sich ohne Bedeutung die Hand reichen. Wechselnde Wolken, die der Wind vor sich her treibt.
Die Welt ist grau und dunkel und trist. Ein Lachen wirkt fehl am Platz, klingt grell und falsch. Ein Lächeln wirkt wie aufgemalt, nachträglich auf ein Gemälde gepinselt. Wärme ist nur eine Illusion, Kälte hingegen dringt durch den Körper, nistet sich in Knochen und im Herzen ein. In mir wohnt die Dunkelheit, bei jedem Schritt tropfen die Schatten auf die Straße, bleiben in Pfützen hängen, an kahlen Ästen kleben.
Wege führen weit fort. Wege führen ins Nirgendwo. Wege weichen von festen Straßen ab. Wege können irgendwo ankommen. Wege können einen in die Irre führen.
Doch Menschen kommen niemals irgendwo an. Denn immer geht es irgendwo weiter, immer lauert irgendwo eine weitere Abzweigung, ein weiterer Irrweg, eine Sackgasse, ein Tunnel, der einen nur im Kreis führt.
Man kann ewig auf der Suche sein. Doch das was man sucht, ist meist etwas dass es gar nicht gibt. Oder dass es einmal gab und schon lang verloren ist, was nur die Hoffnung einfach nicht einsehen will. Man kann ewig unterwegs sein, ohne jemals irgendwo anzukommen.
Dennoch ist unterwegs sein besser, als ewig zu warten. Denn warten worauf? Die Antwort ist genauso wenig existent wie die Anzahl der Sandkörner im Wüstenwind. Auf den Tod kann man nicht warten. Denn er wird dich finden, so oder so. An diesem oder an jenem Ort. Egal wo. Auf das Leben kann man eben so wenig warten, denn es kommt einen nicht besuchen, klingelt nicht einfach plötzlich an der Tür. Wenn man einmal die Chance verpasst hat, richtig zu leben, ist es sehr sehr schwer es überhaupt jemals zu lernen. Und der Weg ist weit, und ans Ende wird man niemals kommen wenn man ihn nicht geht.
In schwarzen Pfützen sehe ich all die toten Träume schwimmen, sehe die vergossenen Tränen glitzern. Ich habe Angst, und weis doch nicht wovor. Wolken stürzen vom Himmel, denn er ist nicht so hoch und weit wie ich all die Jahre dachte. Sterne lassen sich nicht fangen, denn eingesperrt können sie nicht mehr leuchten. Ich schaue auf mein Spiegelbild und weis dass der Spiegel mir nie die ganze Wahrheit zeigt, obwohl Spiegel nicht lügen können. Ich laufe, weil ich nicht mehr stehen bleiben will, doch ich laufe auf der Stelle, was letztendlich auf das Selbe hinausläuft. Ich atme die kalte Luft ein, und sie brennt in mir. Ich will rufen, doch ich kann nicht. Ich will davonlaufen, will mich irgendwo unter der Decke verkriechen, doch ich weis es bringt nichts. Die Schatten sind immer da. Die Angst ist immer da. Sie folgt mir, tritt aus dunklen Ritzen, kriecht über den Boden, berührt mich mit kalten Fingern im Schlaf und im wachen Zustand. Angst kann niemals mein Freund sein. Und doch kann ich erst lernen mit ihr zu leben, wenn sie nicht länger mein Feind ist.
Worte fließen aus mir heraus, und doch bleibt das Chaos in meinem Kopf. Nichts ordnet sich, nichts wird besser. Ich grabe Löcher in den Schnee, doch die Gedanken verschwinden nicht darin. Winterwelt ist kalt und leer, Winterwelt ist in mir, denn es ist die Welt in der ich lebe, die Welt in der ich gefangen bin, auch wenn es eine Welt ist, die nur in mir existiert.

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