Freitag, 19. Oktober 2012

toter Tag


Es ist einer dieser Tage, an denen der Tod mir so verlockend erscheint. Er ist kalt und dunkel, aber auch friedlich und endgültig, er verspricht alles und nichts. Ich will nie mehr denken müssen, nie mehr fühlen müssen. Mich nie mehr erinnern müssen. Ich wünsche mir das Nichts, wünsche mir dass es aufhört, dass meine Gedanken endlich zum schweigen gebracht werden, dass all die Bilder in meinem Kopf endlich ausradiert werden können. Ich wünsche mir, zu vergessen. Alles zu vergessen, vor allem mich selbst. Und zugleich fürchte ich mich auch ein wenig davor, denn zu vergessen, endgültige Stille, erinnert mich zu sehr an Leere. An die Leere in mir drin.
Und es fühlt sich so an, als würde ich dann endgültig in diese Leere fallen, würde hineinstürzen, hineingezogen werden. Und es gibt kein zurück.
Ich fühle mich gefangen. Gefangen in diesem Widerspruch, sterben zu wollen und wirklich leben zu wollen. Beides erscheint mir verlockender, als mein Zustand, einfach nur zu existieren.
Ich lebe nicht, nicht wirklich. Aber ich bin nicht tot, zumindest äußerlich nicht. Ich bin leer. Und es fühlt sich an, als würde ich an dieser Leere langsam aber sicher zugrunde gehen.
Ich fühle mich allein, so sehr allein. Ich höre Musik, versuche mir mit Liedern, die eine Bedeutung für mich haben, in Erinnerung zu rufen dass die schöne Zeit kein Traum war. Doch auch die Lieder machen mich traurig, machen mir bewusst dass ich hier sitze, allein in meinem Zimmer, allein mit mir selbst. Dass es in diesem Moment keine andere Realität für mich gibt als diese: Ein Mädchen, das sich allein fühlt, voller Verzweiflung, Einsamkeit und Angst. Und Traurigkeit.
Worte rauschen durch meinen Kopf, die nicht meine eigenen sind. Leise dringt die Melodie in meinen Kopf, meinen Körper, und auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist, blicke ich aus dem Fenster in die dunkel gewordene Welt und denke gar nichts. Denke alles und nichts. Fühle mich zerrissen und verloren, und weis zugleich nicht, was ich eigentlich fühlen soll. Die verschiedensten Emotionen laufen durch meine Gedanken, doch ich kann keine davon lange festhalten. Das was übrig bleibt, ist das selbe wie immer: Angst und Traurigkeit.
Ich blicke auf den Spiegel, der an der Wand meines Zimmers hängt, und frage mich nicht zum ersten Mal welches Bild er mir zeigen würde, wenn ich nicht mehr Ich sein müsste. Wenn der Spiegel mir diesen Wunsch erfüllt. Wer oder was wäre ich dann?
Und wenn Spiegel das Innerste eines Menschen abbilden könnten, statt nur das äußere Bild, was würde ich dann sehen wenn ich auf das undurchdringliche Spiegelglas blicken würde? Und was würde der Spiegel mir zeigen, wenn er die Dunkelheit in mir sehen könnte? Denn Spiegel brauchen Licht, um das Bild wiederzugeben das ihnen entgegenblickt. All das, was im Schatten, in Dunkelheit liegt, ist für das Spiegelbild unsichtbar…

Kommentare:

  1. Ein Schweizer Fan22. Oktober 2012 um 20:43

    Liebe Schattenelfe

    Seit längerer Zeit besuche ich Deinen Blog und lese oft deine Texte. Du musst wissen, dass du eine wunderschöne Sprache hast und Deine Gefühle gut ausdrücken kannst, sodass auch die Leser/innen Dich verstehen. Ich verstehe Dich sehr gut.
    Es wäre jetzt einfach zu sagen, dass alles besser wird. Aber ich hoffe, dass Du- wenn Du diesen Kommentar liest- weisst, dass Du uns Lesern wichtig bist. Ich lese Deine Einträge total gerne!
    Ich wünsche Dir, dass Du jetzt lächelst, denn Du hast es wirklich verdient! :)

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    1. Danke für deinen total lieben Kommentar :)

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    2. Ein Schweizer Fan27. Oktober 2012 um 12:00

      Das habe ich wirklich gerne gemacht! Ich komme aus der Schweiz und siehst du: Du hast internationale Leserschaft! :)

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