Mittwoch, 22. August 2012

Sinnloser Tag

Es ist so still um mich herum, als würde die Welt die Zeit anhalten. Aber in mir drin ist es niemals still, die Gedanken rauschen durch meinen Kopf. Ich dränge sie zur Seite, will nicht nachdenken. Nicht jetzt. Ich will schlafen, aber ich kann nicht. Ich werde von einer inneren Unruhe getrieben, kann kaum still sitzen, als wäre irgendetwas in mir, das unbedingt nach aussen will. Ein schwarzes Chaos, ein Dämon, was auch immer. Aber zugleich bin ich zu erschöpft, zu müde um mich zu bewegen. Mein Körper ist müde und schwach, meine Gedanken sind heute viel zu wach und drängend. Ich fühle mich zerrissen. Energielosigkeit und Unruhe. Am liebsten würde ich davonlaufen. Doch wohin? Ich habe kein Ziel, nichts wo ich ankommen kann. Nur ein Ort, von dem ich unbedingt weg möchte: Zuhause, oder eben das, was sich zuhause nennt, der Ort wo ich wohne, wo mein Zimmer ist. Mehr ist es nicht, ich fühle mich mit diesem Ort nicht verbunden. Es gibt hier nichts, wofür es sich zu bleiben lohnt. Aber ohne ein Ziel hat es ja sowieso keinen Sinn, von hier weg zu gehen. 
Die Vorwürfe meiner Mutter, die sich in den letzten Tagen wieder einem anderen Thema zuwenden. Einem Thema, das ich mittlerweile so Leid bin. Meine Gesundheit, das was ich esse bzw nicht esse. Alle Verwandten hätten ihr ja gesagt dass ich furchtbar und total krank aussehe. Meinem Körper fehlen ja alle Nährstoffe und Mineralstoffe, und wenn ich demnächst im Krankenhaus lande soll ich ihr gefälligst keine Vorwürfe machen. Und so weiter, bla bla. Ich saß da, in der Küche, beim essen (!!), und ihre Worte rauschten an mir vorbei. Irgendwann hab ich angefangen zu lachen, obwohl rein gar nichts an der Situation lustig war. Ich glaube, hätte irgendein Außenstehender uns beobachtet, hätte er die Situation reichlich bizarr gefunden. Eine Mutter, die halb schreiend, halb vorwurfsvoll auf ein Mädchen einredet, das wie eine Irre anfängt zu lachen. Es war kein fröhliches Lachen. Ich weis selbst nicht warum ich lachte, vielleicht einfach weil ich nicht wusste was ich sonst tun soll. Das hat meine Mutter erst recht wütend gemacht. Du wirst schon sehen, was du davon hast, kommt es noch aus ihrem Mund, die Worte zäh wie Matsch, ausgespuckt landen sie auf dem Boden zwischen uns. Sie rauscht aus der Küche. Zurück bleibt ein Kind mit einem verzerrten Grinsen im Gesicht. Ein Kind, dem einfach nur nach weinen zumute ist.
Der Tag verstreicht mit Nichtstun. Ich warte auf das Gewitter, das doch nicht kommt. Nur am Horizont ein paar Blitze und dunkle Wolken. Ich vertreibe mir die Zeit mit Filmen. Tauche in das Leben anderer ein, um für eine kleine Weile mein eigenes vergessen zu können.
Ich will einfach nur schlafen. Schlafen und vergessen. Ins nichts sinken, dass mich warm und weich auffängt, mir festhält, mich nicht träumen lässt. Mittlerweile weis ich nicht mehr, was schlimmer ist. Die Alpträume und seltsamen Träume, die ich Nacht für Nacht habe, oder die quälenden Stunden, in denen ich mich in meinem Bett hin und herwälze, schlaflos und unendlich müde, alles tut mir weh, und die Gedanken in meinem Kopf wollen einfach nicht still sein. 
Aber Tagträume sind schön. Tagträume sind kleine, schäfchenweisse Wattewolken, die so gar nicht zu dem düsteren, nebelverhangenem Himmel passen wollen, auf den ich sie male. Wolkenträume. So nenne ich meine Tagträume. Weil sie das einzige sind, das mich irgendwie über Wasser halten können, wenn ich dabei bin langsam zu versinken. Weil sie in einer schlechten Welt, einem schlechten Leben, das einzig schöne sind, das ich habe.
Ich habe einmal irgendwo gelesen: Menschen können nicht ohne Träume leben. Aber sie können auch nicht nur durch Träume leben. Man muss letzten Endes aus seinen Träumen erwachen. Weil Träume, aus denen man nicht erwacht, irgendwann zu Traurigkeit werden.
Ich glaube, darin steckt mehr Wahrheit als man in Worte fassen kann. Und ich glaube, an diesem Punkt bin ich schon vor vielen Jahren angelangt.

Kommentare:

  1. Ja, das ist alles ausnahmslos von mir :) vielen dank.

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  2. Richtig gut geschrieben.
    Manchmal träume ich von einer Welt ohne Schmerz, ohne Leid...einfach ein Welt in der ich willkommen bin. In der ich mich wohlfühlen kann. In einer Welt, wo ich mich nicht ständig frage:" Wieso bin ich hier? Wozu kämpfe ich eigentlich noch". Irgendwann in der Schule fing das an, dass ich in Tagträumen angefangen habe zu leben. Der Unterricht und die Menschen habe mir da so viel Angst gemacht ( Ich weiß nicht, warum die Angst da war. Sie war plötzlich da) Auch zuhause lebe ich mehr in meinen Träumen, als in der Realität... persönlich weiß ich ja schon, dass das nicht so gut ist...aber auch für mich sind Träume und die Musik, der einzige Halt momentan.

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